Benno Kuppler SJ Berlin

Gedanken zur Ferienzeit

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Dr. Benno Kuppler

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Ferienzeit, Packen, Aufbrechen, Ankommen, Daheimsein Gedanken für fünf Werktage

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Montag Ferienzeit

Ferien. Urlaub. Ich habe seit heute morgen Ferien. So ganz richtig kann ich das noch nicht begreifen: ich habe Urlaub.

Ferien. Urlaub. Da schwingt die Hoffnung mit, Eintönigkeit und Belastungen des Alltags einmal hinter sich zu lassen. Das ist oft auch der Traum von Ferne, um Abstand zu gewinnen zu Situationen, vielleicht auch zu Menschen.

Ferien. Urlaub. Jeder Mensch braucht solche Zeiten, die wir Ferien nennen, auf die wir als Urlaub einen Anspruch haben. Jeder Mensch braucht Zeiten, um sich zu erholen, um sich selbst zu begegnen, um mit anderen auf neue Weise zusammenzusein. Und jeder Mensch verbringt seine Ferien, seinen Urlaub auf seine ganz persönliche Weise.

Das stimmt doch gar nicht, wird mancher einwenden. Urlaubmachen kostet Geld, selbst als "Massentourist" und mit Pauschalreisen. Und was machen diejenigen, denen das "Kleingeld" für solche Reisen fehlt: die kinderreiche Familie, der arbeitslose Familienvater?

Ferien. Urlaub. Das ist nicht eine Frage des großen Geldes, der weiten Reise, der ausgefallensten Abenteuer. Das ist eine Frage, wie ich mit mir selbst und den anderen umgehe. Dass ich spüre, wo mein Leben und ich alleine von der Arbeit bestimmt werden. Dass ich erfahre, wo ich offen bin für Unerwartetes, für Erlebnisse und Ereignisse, die ich nicht vorausgeplant habe. Dass ich mehr Mensch werde, weil ich mich nicht selbst bewerte nur aufgrund der Leistungen meiner Arbeit.

Ferien. Urlaub. Das ist eine wichtige Zeit im Rhythmus des Lebens. Das ist eine geschenkte und eine verdiente Zeit. Ferien. Urlaub. Das ist die Chance, sich selbst von einer anderen Seite kennenzulernen. Und dazu brauche ich nicht das große Geld und muss nicht weit weg fahren.

Karl Valentin, der Münchner Komiker drückte es einmal so aus: "Heute will ich mich besuchen, hoffentlich bin ich daheim."

Ferien. Urlaub. Seien sie daheim, wo immer sie auch ihre Ferien verbringen.

Dienstag Packen

Da packen viele Menschen in diesen Tagen ihre Koffer. Wenige Stunden trennen sie vom Start in den Urlaub. Nichts darf vergessen werden, damit der Urlaub nicht misslingt. Vielleicht hat jemand noch den Streit vom vergangenen Jahr im Ohr: Die ganze Ferienlaune war dahin, weil irgend etwas fehlte. Und dabei war es gewiss nur eine Kleinigkeit.

In Zeitungen und Illustrierten habe ich in den letzten Tagen Checklisten gefunden, in denen alles steht, was ich für einen "erfolgreichen" Urlaub brauche. Mancher vernünftige Rat war auch darunter: an Reisedokumente denken, rechtzeitig impfen lassen, genügend Reiseproviant für den Stau.

Und dann denke ich erneut ans Packen. Was alles hineinpassen soll in so einen Koffer! Ich erschrecke immer wieder, was ich so alles brauche. Da liegt dann ein Berg an Kleidern und Wäsche vor mir. Der Reiseführer und einige Bücher dürfen auch nicht fehlen. Was das ein Gewicht gibt. Und die Kamera ist noch gar nicht im Gepäck. Endlich meine ich, dass ich alles not-wendige dabei habe. Der Koffer geht noch zu. Für die Rückreise habe ich vorsorglich noch einen stabilen Tragbeutel eingepackt: für schmutzige Wäsche. Sie kennen das ja.

Und dann sitze ich in meinem Sessel. Ich habe gepackt. Sicherlich wieder zu viel. Nach jeder Reise sage ich mir, pack` doch weniger ein. Und da spüre ich: das wichtigste habe ich noch nicht im Gepäck verstaut. Es ist mein Leben mit all seinen schönen Seiten und mit dem, was mich bedrückt.

Mein eigenes Leben ist es, das auf keiner der Checklisten erwähnt worden war. Wie kann ein Urlaub gelingen, wenn ich vergesse, mich selbst mitzunehmen.

Denken sie beim Packen daran: nehmen sie sich mit. Das macht den Urlaub erst zum Erlebnis.

Mittwoch Aufbrechen

Da brechen sie auf in die Ferien. Das Gepäck ist verstaut. Stau auf der Autobahn wird im Verkehrsfunk gemeldet. Der Aufbruch beginnt.

Aufbruch in die Ferien kann zum Aufbruch in den Ferien werden. Jeder spielt im Alltag Rollen: in der Arbeit, in der Familie, in Beziehungen. Die Kollegen, der Ehepartner, Kinder und Freunde haben ein festes Bild von uns. Und jeder hat noch ein eigenes Bild von sich selbst. Oft sind dies Masken, nicht nur über unserem Gesicht. Manchmal leben wir mit den Masken und in den Kostümen, die andere uns anlegen.

Masken sind wie Panzer aus Lehm. Ursprünglich war dieser Lehmpanzer geschmeidig, weil der Lehm feucht und frisch war. Da machte es Spaß, sich spielerisch zu verstecken. Irgendwann, als die Lehmmaske hart geworden war, fühlten wir uns eingeengt. Unter diesem Lehmpanzer kann sich nichts mehr bewegen, nichts kann wachsen, nichts kann sich ändern.

Aufbruch in den Ferien. Das kann dann bedeuten, dass ich mir meiner Maske bewusst werde und sie ablege.

Und da ereignet sich Aufbruch: vielleicht zu erst nur um den Mund oder die Augen herum, weil ich entspannter bin. Da bricht die Maske auf, bröckelt ein Stück Lehm ab. Und ich spüre neu und frisch die Luft, den Wind, die Sonne und den Regen. Und ich spüre eine neue Freiheit: ich gewinne mehr Bewegungsfreiheit, mehr Spielraum, ein neues Gefühl von mir selbst.

Aufbruch in den Ferien. Probieren sie es selbst einmal spielerisch: an einem Baggersee hier in der Kurpfalz, oder am Meer oder an einem Gebirgsbach. Bestreichen sie sich einmal sanft ihre Hand, eine Wade, den Rücken oder das Gesicht. Lassen sie den Schlamm oder Lehm oder Sand trocken. Wenn sie wollen, bitten sie ihren Partner oder die Kinder, ihnen eine Maske anzulegen. Und dann spüren sie dem Gefühl nach, wenn sie sich nach Herzenslust zu bewegen beginnen, wenn sie aufbrechen unter dieser Maske.

Aufbruch in den Ferien. Üben sie spielerisch ihren Aufbruch in den Ferien als Einübung in den Alltag.

Donnerstag Ankommen

Ankommen am Urlaubsort. Mit ihrem Gepäck sind sie aufgebrochen. Nun sind sie angekommen. Ankommen will jeder Mensch, nicht nur im Urlaub, bei seiner Arbeit, auch bei anderen Menschen.

"Bei dem bin ich gut angekommen." So sagen wir immer wieder. "Bei jenem komme ich nur schwer an." Ankommen meint nicht nur eine räumliche und zeitliche Dimension. Ich bin nach einer Reise irgendwo angekommen. Ich bin rechtzeitig dort angekommen.

Ankommen hat auch eine Tiefendimension. Da geht es um den Gleichklang der Herzen. Wenn ich bei einem anderen Menschen ankommen will, dann bedeutet mir dieser Mensch etwas. Ich teile ihm etwas von mir mit, er teil sich mir mit. Ankommen setzt füreinander offene Menschen voraus.

Ankommen kann ich nur, wenn ich bei mir bin. Oft ist es schwer, bei sich selbst anzukommen. Wir sind nach außen orientiert, beziehen große Teile unseres Selbstwertgefühles davon, bei anderen Menschen anzukommen. Manchmal kommt da ein fader Geschmack auf: ich bin nur mit meiner Maske beim anderen angekommen.

Ich muss mich also bei mir selbst zuerst ankommen lassen. Wie schwer machen wir uns das oft. Wir kennen uns so gut, dass wir uns nicht trauen, so, wie wir sind, bei den Mitmenschen anzukommen.

Die Ferien sind eine Zeit, wieder einmal bei sich anzukommen: sich von seinen guten Seiten kennenzulernen, unbekanntere Fähigkeiten wach werden zu lassen, sich selbst von der eigenen Spontaneität überraschen zu lassen, das schöpferische Ich auszuleben.

Freitag Daheimsein

Daheimsein. Kaum sind Menschen im Urlaubsort angekommen, möchten sie schon wieder daheimsein. Warum fällt es schwer, sich am Urlaubsort, in einem Ferienclub daheim zu fühlen?

Vielleicht wurden in der Vorbereitung der Ferien Schritte übersehen: Welche Art von Ferien ist dieses Jahr für mich, für uns die richtige? Will ich meinen gewöhnlichen Lebensraum intensiver kennenlernen, gleichsam als Feriengast bei mir daheim? Brauche ich einen Aktiv-Urlaub als Ausgleich für meinen Körper? Ist eine Kulturreise sinnvoll, um neue Eindrücke zu sammeln? Allgemeiner gefragt: was tut mir, was tut uns jetzt gut im Urlaub?

Dazu ist es wichtig, auch im Urlaub daheimzusein bei sich selbst. Urlaub wird zur Anstrengung, zu einer anderen Form von Leistung, wenn ich ein Pflichtprogramm zu absolvieren habe.

Daheimsein hat etwas zu tun mit der Sehnsucht nach Vertrautem und Bekanntem. Daheimsein hat etwas zu tun mit Verwurzelung. Daheimsein heißt bei sich sein.

Ferien sind gleichsam die Einladung an jeden von uns, mit Leib und Seele bei sich selbst anzukommen, wieder einmal bei sich daheimzusein. Ferien zu Hause müssen deshalb nicht langweilig sein. Urlaub in der Ferne ist keine Garantie für Ferienfreude.

Nehmen sie sich mit in die Ferien, ob zu Hause oder weit weg. Seien sie daheim, wie auch immer ihre Ferienadresse lautet. Erholung an Leib und Seele ist nicht im Preis der Pauschalreise eingeschlossen. Dafür sind sie selbst zuständig.

Auf einer Spruchkarte las ich: "Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe." Also denn: singen sie und spielen sie miteinander! Daheim und anderswo.

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Frohe und erholsame Ferien.

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